Jul 1

Abmahnung bleibt in der Personalakte – bitte recht freundlich

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LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 20.05.2014, 2 Sa 17/14

In diesem aktuellen Fall hatte ein Arbeitnehmer auf Entfernung einer Abmahnung aus seiner Personalakte geklagt. Er – als Ausbildungsberater beschäftigt – sah die Abmahnung als zumindest unverhältnismäßig an, das Berufungsgericht dagegen ging davon aus, dass dem Kläger ein Anspruch auf Entfernung der Abmahnung nicht zusteht.

Was war vorgefallen: Der Berater reagierte auf eine Frage eines Prüfungsteilnehmers unwirsch – sinnigerweise tat er das per Email, so war der Wortlaut seines Verhaltens beweisbar festgehalten. Als sich der so Angegangene bei dem unfreundlichen Ausbildungsberater über dessen Unfreundlichkeit beschwerte, setzte Letzterer noch eins drauf: Wieder per Email ließ er verlauten „Nach heute mittlerweile ca. 20 Anrufen von angehenden Meistern bleibt die Freundlichkeit einfach aus.“

Nun mag man sich im konkreten Fall darüber trefflich streiten können, ob ein derartiges Verhalten im Arbeitsverhältnis eine Abmahnung rechtfertigt oder ob – dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gehorchend – auch eine bloße Ermahnung ausreichend gewesen wäre. Ihr Anwalt für Arbeitsrecht weiß, dass die Ermahnung ein weit schwächeres arbeitsrechtliches Instrument ist: Wie die Abmahnung enthält die Ermahnung einen Hinweis dahin, dass das gezeigte Verhalten pflichtwidrig war und dieses gerügt wird (Rügefunktion der Abmahnung und der Ermahnung); einer Ermahnung fehlt aber der Warnhinweis, dass bei Wiederholung des Fehlverhaltens mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zu einer Kündigung zu rechnen ist. Auch eine fehlerhafte Ermahnung führt – wie eine fehlerhafte Abmahnung – zu einem Anspruch auf Entfernung aus der Personalakte.

Vorliegend musste sich der Arbeitnehmer vorwerfen lassen, dass er als Ausbildungsberater nun mal die Aufgabe habe, sich auch dann freundlicher Kommunikation zu befleißigen, wenn er mit seiner Ansicht nach überflüssigen und dummen Fragen konfrontiert wird.

In diesem Berufsfeld muss man nach Ansicht des Gerichts auch dann die Fassung bewahren und immer mit dem Motto leben: Bitte recht freundlich!

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